Karte zu E-Vergabe-Software: Anbieter, Funktionen und Kosten im Überblick
Bild: Ausschreibungsart

Auftragsrecherche

Vergabeprogramme nutzen: Funktionen, Kosten und Anbieter von e-Vergabe-Software

Vergabeprogramme nutzen: Funktionen, Kosten und Anbieter von e-Vergabe-Software mit Beispielrechnung pro Nutzer und Jahr und Schnittstellen zu eForms.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Vergabeprogramme bündeln Auftragsrecherche, Bezug der Vergabeunterlagen, verschlüsselte Angebotsabgabe und Bieterkommunikation in einer Anwendung.
  • Relevante Anbieter sind cosinex, Healy Hudson mit dem Deutschen Vergabeportal (DTVP), subreport ELViS und die e-Vergabe des Bundes über evergabe-online.de.
  • Als Kalkulationsbandbreite gelten 500 bis 2.000 Euro netto pro Nutzer und Jahr, hinzu kommen Grundgebühr, Einrichtung, Schulung und Signaturkarten.
  • Bekanntmachungen laufen über eForms nach der Durchführungsverordnung (EU) 2019/1780, Rechnungen über XÖV-Standards wie XRechnung.
  • Eine Beispielrechnung für fünf Nutzer über drei Jahre ergibt 29.800 Euro netto, also rund 1.987 Euro pro Nutzer und Jahr.

Was e-Vergabe-Software im Bieteralltag leisten muss

Vier Kernaufgaben der e-Vergabe

  1. Aufträge finden: Suche und Suchprofile
  2. Unterlagen beschaffen: Abruf und Fristen
  3. Angebote abgeben: verschlüsselt und signiert
  4. Rückfragen klären: dokumentierter Nachrichtenkanal

Die Recherche durchsucht Bekanntmachungen nach Stichworten, CPV-Codes, Auftraggebern, Regionen und Vergabearten. Suchprofile lassen sich speichern und lösen Benachrichtigungen per E-Mail aus. Leistungsfähige Systeme melden auch Änderungen an Verfahren, die bereits beobachtet werden. Für Unternehmen mit mehreren Geschäftsfeldern ist die Filtertiefe wichtiger als die Zahl der Treffer.

Der Bezug der Vergabeunterlagen erfolgt aus der Bekanntmachung heraus. Das System lädt die Dateien, protokolliert den Abruf und führt die Fristen in einem Kalender. Dort stehen die Frist für Bieterfragen und die Angebotsfrist. Das Abrufprotokoll hilft, wenn ein Auftraggeber den Bezug der Unterlagen bestreitet.

Die Abgabe läuft verschlüsselt. Der Bieter lädt seine Dateien hoch, das System verschlüsselt sie mit einem Zertifikat des Auftraggebers. Verlangt die Vergabestelle eine qualifizierte elektronische Signatur, braucht der Bieter ein passendes Zertifikat. Ohne gültiges Zertifikat kommt kein wirksames Angebot zustande.

Die Kommunikation läuft über einen Nachrichtenkanal der Plattform. Rückfragen, Aufklärungen und Nachforderungen bleiben dort dokumentiert. Dieser Verlauf ist prüfbar und hilft bei einer Rüge oder einem Nachprüfungsverfahren vor der Vergabekammer.

Fünf Funktionsfelder entscheiden über den Nutzen im Alltag:

Was e-Vergabe-Software leisten muss

  • RechercheVolltextsuche, CPV-Codes, Filter, Suchprofile, Benachrichtigungen.
  • UnterlagenBezug, Abrufprotokoll, Fristenkalender, Fragen und Antworten.
  • AbgabeVerschlüsselung, Signaturprüfung, Fristenkontrolle, Upload großer Dateien.
  • KommunikationNachrichtenkanal, Änderungsmitteilungen, lückenlose Dokumentation.
  • AuswertungExporte, Beobachtungslisten, Statistiken zu eigenen Erfolgsquoten.

Wer viele Verfahren parallel bearbeitet, braucht zusätzlich eine Wiedervorlage und eine Zuordnung von Verfahren zu Bearbeitern. Fehlt beides, gehen Fristen unter und Angebote werden ungültig.

Bei der Eignungsprüfung hilft die Einheitliche Europäische Eigenerklärung. Sie ist in die eForms-Struktur eingebettet und wird als Datensatz zwischen Bieter und Auftraggeber ausgetauscht. Ein System, das die Eigenerklärung nur als PDF kennt, verliert Zeit bei der Nachweisführung.

Rechtlicher Rahmen: VgV, UVgO und die Pflicht zur elektronischen Vergabe

Seit dem 18. Oktober 2018 müssen öffentliche Auftraggeber bei EU-weiten Vergaben elektronische Mittel zulassen. Die Plattform ist damit kein Zusatzkanal, sondern der reguläre Weg. Papierangebote sind bei EU-weiten Verfahren in der Regel ausgeschlossen.

Im Oberschwellenbereich gilt die Vergabeverordnung, im Unterschwellenbereich des Bundes die Unterschwellenvergabeordnung. Bauleistungen folgen der VOB/A, Sektorenauftraggeber der Sektorenverordnung. Länder regeln die Unterschwellenvergabe über eigene Erlasse und Vergabegesetze, weshalb je nach Bundesland unterschiedliche Portale genutzt werden.

Für Bieter bedeutet das: Ein Vergabeprogramm muss mehrere Portale bedienen können. Ein einziges Konto reicht selten. Wer in mehreren Ländern und beim Bund anbietet, arbeitet mit mehreren Plattformzugängen und muss Fristen zentral zusammenführen.

Bei Fristen lohnt ein zweiter Blick. Nach Eingang der Mitteilung über die Nichtberücksichtigung läuft eine kurze Frist für die Rüge. Wer sie versäumt, verliert den Anspruch auf Nachprüfung. Ein Fristenkalender im Vergabeprogramm ist deshalb kein Komfort, sondern Risikosteuerung.

Anbieter und Plattformen im deutschen Markt

Fünf Angebote prägen die Bieterperspektive in Deutschland. Sie unterscheiden sich in Ausrichtung, Zielgruppe und Preislogik.

Fünf Plattformen im Vergleich

cosinex

Ausrichtung
Vergabesoftware, Marktplätze
Recherche
über Marktplätze
Angebotsabgabe
ja
Kosten
Lizenz

Healy Hudson / DTVP

Ausrichtung
Deutsches Vergabeportal
Recherche
Suchprofile
Angebotsabgabe
ja
Kosten
Lizenz

subreport ELViS

Ausrichtung
Vergabe-Informationssystem
Recherche
Abonnement
Angebotsabgabe
nein
Kosten
Abo

e-Vergabe des Bundes

Ausrichtung
Plattform des Bundes
Recherche
Bundesvergaben
Angebotsabgabe
ja
Kosten
kostenfrei

Ausrichtung

cosinex
Vergabesoftware und Vergabemarktplätze
Healy Hudson
Anbieter des Deutschen Vergabeportals (DTVP)
subreport ELViS
Elektronisches Vergabe-Informationssystem
DTVP
Vergabeportal für Bund, Länder und Kommunen
e-Vergabe des Bundes
Plattform des Beschaffungsamts des BMI

Für Bieter wichtig

cosinex
Recherche und Abgabe über angeschlossene Marktplätze
Healy Hudson
Bekanntmachungen, Suchprofile, Angebotsabgabe
subreport ELViS
Recherche im Abonnement mit Benachrichtigungen
DTVP
Bundesweite Suche, Unterlagenbezug, Abgabe
e-Vergabe des Bundes
Kostenfreie Teilnahme an Vergaben des Bundes

cosinex entwickelt Software für öffentliche Auftraggeber und betreibt Vergabemarktplätze. Für Bieter sind diese Marktplätze der Zugang: Dort werden Bekanntmachungen veröffentlicht, Unterlagen bereitgestellt und Angebote entgegengenommen. cosinex beschreibt auf der eigenen Website die Funktionen seiner Vergabelösungen für Auftraggeber und Bieter.

Healy Hudson ist Anbieter des Deutschen Vergabeportals (DTVP). Das Portal bündelt Bekanntmachungen aus Bund, Ländern und Kommunen und arbeitet mit Suchprofilen. Wie die Auftragsrecherche mit Suchprofilen und Benachrichtigungen abläuft, dokumentiert das Deutsche Vergabeportal in seinem Nutzerbereich.

subreport ELViS ist ein elektronisches Vergabe-Informationssystem. Es richtet sich an Bieter, die Bekanntmachungen im Abonnement beobachten und nach Fachgebieten filtern. Solche Dienste liefern Hinweise, ersetzen aber nicht die Abgabe auf der Plattform des Auftraggebers.

Die e-Vergabe des Bundes läuft über evergabe-online.de und wird vom Beschaffungsamt des Bundesministeriums des Innern betrieben. Für Bieter ist die Teilnahme kostenfrei. Erforderlich ist ein Nutzerkonto, über das Angebote verschlüsselt und fristgerecht eingehen.

Bei der Auswahl zählt, welche Portale tatsächlich bedient werden. Wer überwiegend für Bundesbehörden anbietet, kommt mit der Plattform des Bundes und einem Recherchedienst aus. Wer Kommunen in mehreren Ländern bedient, braucht mehrere Zugänge und eine gemeinsame Fristenübersicht.

Kosten: Beispielrechnung pro Nutzer und Jahr

Preislisten veröffentlichen die meisten Anbieter nicht. Kalkulieren lassen sich die Kosten über Positionen, die in fast jeder Einführung auftauchen: Nutzerlizenzen, Grundgebühr je Organisation, Einrichtung, Schulung und Signaturkarten. Hinzu kommen mögliche Gebühren je abgegebenem Angebot.

Kosten über drei Jahre

  • 29.800 Euronetto über drei Jahre
  • 35.462 Eurobrutto mit 19 Prozent Umsatzsteuer
  • 1.987 Euronetto pro Nutzer und Jahr
  • 1.740 Euronetto pro Nutzer und Jahr, nur laufend

Kosten im ersten Jahr

  • Nutzerlizenzen4.500
  • Grundgebühr3.600
  • Einrichtung2.500
  • Schulung1.200
  • Signaturkarten600

Die folgende Beispielrechnung arbeitet mit angenommenen Werten. Sie ist keine Preisliste eines Anbieters und ersetzt kein konkretes Angebot. Alle Beträge sind Nettobeträge ohne Umsatzsteuer.

PositionAnnahmeBetrag
Nutzerlizenzen5 Nutzer zu je 900 Euro pro Jahr4.500 Euro pro Jahr
Grundgebühr Organisationpauschal pro Jahr3.600 Euro pro Jahr
Signaturkarten5 Karten zu je 120 Euro pro Jahr600 Euro pro Jahr
Einrichtungeinmalig im ersten Jahr2.500 Euro
Schulungein Tag im ersten Jahr1.200 Euro

Der Rechenweg: 4.500 Euro Lizenzen plus 3.600 Euro Grundgebühr plus 600 Euro Signaturkarten plus 2.500 Euro Einrichtung plus 1.200 Euro Schulung ergeben 12.400 Euro im ersten Jahr. In den Jahren zwei und drei fallen jeweils 8.700 Euro an. Die Summe über drei Jahre beträgt 29.800 Euro netto, mit 19 Prozent Umsatzsteuer 35.462 Euro brutto.

Bezogen auf 15 Nutzerjahre sind das 1.986,67 Euro netto pro Nutzer und Jahr. Wer nur die laufenden Kosten betrachtet, kommt auf 8.700 Euro jährlich, also 1.740 Euro netto pro Nutzer und Jahr. Einrichtungs- und Schulungskosten verzerren den ersten Vergleich, gehören aber in die Gesamtrechnung.

Bei den Betriebsmodellen gibt es zwei Varianten. Mietmodelle aus der Cloud rechnen jährlich pro Nutzer ab und enthalten Updates. Dauerlizenzen auf eigener Infrastruktur verursachen einmalig höhere Kosten und laufende Betriebsaufwände für Server, Sicherheitsupdates und Administration.

Zwei Steuerungspunkte senken die Kosten. Erstens: Lizenzen nur für Personen, die Angebote tatsächlich erstellen und abgeben. Zweitens: Einrichtung und Schulung pauschal verhandeln statt nach Aufwand. Bei mehrjähriger Laufzeit sind Nachlässe auf die Grundgebühr üblich.

Schnittstellen: eForms, XÖV und amtliche Vergabedaten

Bekanntmachungen oberhalb der EU-Schwellenwerte werden seit dem 25. Oktober 2023 als eForms übermittelt. Grundlage ist die Durchführungsverordnung (EU) 2019/1780 über die eForms-Formulare. Für Bieter entstehen dadurch strukturierte Datensätze: Felder wie CPV-Code, Vergabeart und Frist lassen sich exakt filtern.

Von eForms bis XRechnung

  1. Bekanntmachung als eForms-Datensatz
  2. Strukturierte Felder indexieren und filtern
  3. Zuschlag erteilen
  4. Rechnung als XRechnung mit Leitweg-ID

Ein System, das eForms nur als PDF weiterreicht, verschenkt diesen Vorteil. Prüfenswert ist, ob die Software die strukturierten Felder indexiert, in Suchprofile übernimmt und Änderungen erkennt. Auch die Darstellung mehrerer Sprachfassungen gehört dazu, weil Bekanntmachungen in mehreren Sprachen erscheinen können.

XÖV ist der Standardisierungsrahmen für XML-Schnittstellen in der öffentlichen Verwaltung. Für Bieter ist vor allem XRechnung relevant, das Format für elektronische Rechnungen. Nach dem Zuschlag muss die Rechnung häufig als XRechnung mit Leitweg-ID des Auftraggebers eingehen. Das Vergabeprogramm sollte Referenznummern aus dem Verfahren übernehmen, damit die Rechnung zugeordnet werden kann.

Amtliche Vergabedaten bündelt der Datenservice Öffentlicher Einkauf des Bundesverwaltungsamts. Dort stehen Bekanntmachungen und weitere Daten für Auswertungen bereit. Der Dienst ist auch für Meldungen zur Vergabestatistik die zentrale Anlaufstelle. Für Bieter ist er eine Kontrollquelle, um zu prüfen, welche Verfahren veröffentlicht wurden.

Auch die technische Anbindung gehört in die Prüfliste. Üblich sind CSV-Export, XML-Austausch und REST-Schnittstellen. Entscheidend ist, ob importierte Daten in die eigene Angebotskalkulation oder in ein CRM zurückfließen.

Einführung in fünf Schritten

Einführung in fünf Schritten

  1. Bedarf erhebenNutzer, Vergabearten, Standorte
  2. Testzugänge prüfendrei Systeme, Testangebot
  3. Schnittstellen kläreneForms, XÖV, Exporte
  4. Kosten über drei Jahre rechnen
  5. Rollout planen und nach sechs Monaten nachjustieren
  1. Bedarf erhebenZahl der Nutzer, Vergabearten, erwartete Angebotszahl pro Jahr und beteiligte Standorte festhalten. Daraus ergibt sich der Lizenzbedarf.
  2. Testzugänge prüfenmindestens drei Systeme testen, ein Testangebot abgeben und die Recherchequalität bei eigenen Fachbegriffen vergleichen.
  3. Schnittstellen kläreneForms-Index, XÖV-Formate, Exporte und die Anbindung an CRM und Kalkulation prüfen.
  4. Kosten über drei Jahre rechnenLizenzen, Grundgebühr, Einrichtung, Schulung, Signaturkarten und Transaktionsgebühren gegenüberstellen.
  5. Rollout planenNutzerkonten und Zertifikate anlegen, Prozesse dokumentieren und nach sechs Monaten nachjustieren.

Häufige Fragen

Was kostet ein Vergabeprogramm pro Nutzer und Jahr?

Öffentliche Preislisten sind selten. In der Beispielrechnung oben liegen die Gesamtkosten über drei Jahre bei rund 1.987 Euro netto pro Nutzer und Jahr. Als Kalkulationsbandbreite lassen sich 500 bis 2.000 Euro netto pro Nutzer und Jahr ansetzen, abhängig von Modul, Nutzerzahl und Laufzeit. Hinzu kommen Einrichtung, Schulung und Signaturkarten.

Kann ein Unternehmen die e-Vergabe des Bundes kostenlos nutzen?

Für Bieter ist die Teilnahme an evergabe-online.de kostenfrei. Kosten entstehen nur für eigene Zusatzleistungen wie Signaturkarten, Schulung und die eigene Vergabesoftware. Ein Nutzerkonto ist Voraussetzung für die Abgabe.

Was ändert eForms für Bieter?

Bekanntmachungen kommen als strukturierte Datensätze. Filter nach CPV-Code, Vergabeart und Frist werden genauer. Plattformen, die diese Felder auswerten, liefern präzisere Suchtreffer und erkennen Änderungen schneller. Die Einheitliche Europäische Eigenerklärung ist ebenfalls eingebunden.

Welche Rolle spielt XÖV bei der Angebotsabgabe?

XÖV betrifft vor allem die Rechnung nach dem Zuschlag. XRechnung ist ein XÖV-Standard. Das Vergabeprogramm sollte Leitweg-ID und Referenznummern aus dem Verfahren übernehmen, damit die Rechnung zugeordnet wird.

Braucht jedes Angebot eine qualifizierte elektronische Signatur?

Nein, das legt die Vergabestelle im Einzelfall fest. Verlangt sie eine qualifizierte elektronische Signatur, braucht der Bieter ein Zertifikat und eine Karte oder eine Fernsignatur. Diese Position ist als eigene Kostenstelle einzuplanen.

In diesem Leitfaden

  1. Vergabesoftware für Bieter im Vergleich nach Schnittstellen und PreisenVergabesoftware für Bieter im Vergleich: cosinex, DTVP, Healy Hudson, subreport ELViS und Vergabe24 mit Schnittstellen, Testzugängen, Hosting und Preisen pro Jahr.
  2. Übersicht über e-Vergabe-Systeme in Bund, Ländern und Kommunene-Vergabe-Systeme nach Ebenen geordnet: Datenservice des Bundes, vergabe.nrw, Vergabeportal Berlin, kommunale Plattformen, VgV-Pflicht und Fallzahlen.
  3. Kosten und Aufwand von Vergabesoftware für Bieter sachlich einordnenVergabesoftware für Bieter: Lizenzkosten pro Nutzer und Monat, Einführung, Schulungsstunden und Bearbeitungszeit je Angebot mit Beispielrechnung in Euro.

Mehr aus Auftragsrecherche